
Ausstellung: 25. 7. – 5. 9. 2009
Eröffnung: Freitag, 24. 7. 2009, 1930
Clare Goodwin sieht ihre Bilder als »abstrakte Portraits« von Menschen. Sie tragen Titel wie Bob, Joan oder Doug and Wendy – Einzelpersonen und Paare sind gemeint, die widergespiegelt werden in den abstrakt wirkenden Mustern. Diesen Flächenmustern entsprechen reale Formen in unserer dinglichen Alltagswelt, wie Wandverfliesungen, Küchenfronten, Einbauschränke und Design der 1960er, vor allem der 1970er Jahre. Die Künstlerin reduziert die Muster der Oberflächen, die sich aus Furnieren und bunten Plastikverblendungen ergeben und arbeitet klare Strukturen heraus, welche für sie die Lebensumwelt der 70er Jahre am treffendsten visualisieren, jener Dekade, die sie selbst als Kind erlebt hat und die in England geprägt wurde durch den Turbokapitalismus der Ära Thatcher und die Falklandkrise. Die bürgerliche Einbauküche, sozusagen als Modellfall, und damit verbunden die Sehnsucht nach der Idylle einer heilen Welt im Entwurf der Werbewirtschaft manipulativ aufgeladen mit Gefühlen von Sicherheit und Geborgenheit, wird hier nüchtern reduziert mit den Mitteln der geometrischen Abstraktion. Die Oberflächen in ihrer formalen Strenge suggerieren dabei Ordnung und penible Sauberkeit, beinahe Sterilität. Einerseits erscheinen diese Orte entmythisiert und befreit von Emotionen, andererseits aber sind sie visuell immer noch angedockt, werden rückgekoppelt durch die Farben jener Ära, Orange und Braun, Blumen- bzw. Op-Art-Muster und das verwendete Formengut, etwa der Flächeneinteilung bei Fliesen und Hängeschränkchen.